Fischgräte

12.02.2009

Wo man lernen kann, eine Fischgräte richtig zu lesen!

Chinese, Baumaffe, Spinne und Fischgräte? Rallye-Fans wissen sofort, dass es sich bei diesen Begriffen nicht um die Auflistung aus einer Speisekarte eines merkwürdigen Spezialitäten-Restaurants handelt.

Aber wer sich als Oldtimer-Besitzer zum ersten Mal traut, an einer Orientierungsfahrt teilzunehmen, wird ohne Vorbereitung am Chinesen verzweifeln, Baumaffen übersehen und dafür eine Menge Strafpunkte kassieren – und von einer Fischgräte schnell auf eine falsche Spur gelockt.

Michael Wiring, der Geschäftsführer der CENTRALGARAGE, und Hans-Werner Mattis, ein erfahrener Rallye-Pilot, sind auf die Idee gekommen, Anfängern mit einem Lehrgang den Einstieg in den Oldtimer-Sport zu erleichtern.

Das Besondere: Nach dem Theorie-Tag haben die Teilnehmer am nächsten Tag die Möglichkeit, das Erlernte bei einer echten kleinen Rallye anzuwenden und danach die gemachten Fehler gemeinsam zu diskutieren.

So saßen an einem März-Samstag 42 gespannte Teilnehmer in einem südhessischen Hotel – Bleistift, Folienschreiber und Stoppuhren griffbereit. Hans-Werner Mattis machte darauf aufmerksam, dass bei einer Rallye `das Gehirn` immer auf der Beifahrerseite sitzt – und dass sich der Fahrer vertrauensvoll auf die von dort kommenden Ansagen verlassen soll, selbst wenn‘s schwer fällt, weil der Beifahrer die Ehefrau oder Freundin ist.

`Rallye-Sport ist echter Teamsport, da müssen beide zusammenarbeiten, auch wenn die Aufgaben zwischen Fahrer und Beifahrer genau verteilt sind`.

Anhand des Roadbooks wurden die Teilnehmer in die Welt des Rallye-Sports eingeführt: So sind Chinesen eigentlich recht einfache Richtungszeichen. Sie werden so genannt, weil ihr Aussehen entfernt an chinesische Schriftzeichen erinnert. Für jede Abzweigung und Straßenkreuzung steht so ein Zeichen in den Rallye-Unterlagen – ein Beifahrer muss diese Chinesen lesen können, zum Beispiel `in 100 Metern nach der Ampel-Kreuzung links abbiegen`. Und Baumaffen? Sind keine Urwaldeinwohner mit Pelzbesatz, sondern `stumme Kontrollen`, meistens Nummerntafeln, die häufig an Bäumen angebracht sind. Die Fischgräte ist im Übrigen nichts anderes, als der oben beschriebene `Chinese`, stellt allerdings vertrackterweise eine längere Fahrtstrecke dar und ist deshalb geeignet, Rallye-Teilnehmer an den Rand der Verzweiflung zu bringen.

Hans-Werner Mattis, der auch noch andere mögliche Gemeinheiten einzelner Rallye-Aufgaben verriet, verabschiedete die Teilnehmer nach einem langen Tag mit der Vorfreude auf den Sonntag: `Morgen möchte ich von euch sehen, was ihr heute gelernt habt – also dann!`

Früher Sonntagmorgen: Nach den aufmunternden Worten und einigen Süßigkeiten, die Heike Wiring ins Auto reichte, waren alle hellwach. Die Beifahrer erhielten die erste Bordkarte. Schon nach einer kurzen Fahrtstrecke mit Ansagen aus dem `Gebetbuch` hatte das Rallye-Fieber alle Teilnehmer richtig im Griff. Nach etwas mehr als 90 Kilometern, die die Teilnehmer kreuz und quer über Kreisstraßen und einen Verkehrsübungsplatz geführt hatten, wurde am frühen Sonntagnachmittag der Hotelparkplatz wieder zum Ziel der 42 Rallye-Novizen. Die meisten Teams hatten die verschiedenen Rallye- und Orientierungsaufgaben im Rahmen der vorgegebenen Idealzeit hinter sich gebracht. Aber der eine oder andere Baumaffe war doch übersehen worden, Durchgangskontrollen wurden nicht gefunden, bei der Gleichmäßigkeitsprüfung die zweite Lichtschranke verpasst oder die Bordkarte nicht ganz perfekt ausgefüllt.

Nachdem die Bordkarten ausgewertet waren, wurde der Ablauf der Rallye ausführlich durchgesprochen und gemeinsam analysiert, `wo denn der Affe im Baum hing`. Und natürlich wurden die besten Lehrgangsteilnehmer bei einer kleinen Siegerehrung belohnt.

Autor des Artikels: Michael V. Conrad


! (CENTRAL COURIR)!

Diesen Artikel finden Sie neben vielen weiteren Themen im CENTRAL COURIR, erhältlich im Museum der CENTRAL GARAGE.

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